Wie kam es zur Entstehung einer Freikirche in Vöcklabruck?

Aus Anlass der 25-Jahr-Feier am 21.3.2010 wurde in den „Vöcklabrucker Tips" (Gratiszeitung für den Bezirk Vöcklabruck) ein Artikel abgedruckt, der diese Frage recht gut beantwortet:

TIPS: 25 Jahre Freikirche in Vöcklabrucker: was ist bei der Jubiläumsfeier geplant?

In erster Linie wollen wir Gott danken. Deshalb auch das Motto: „Gott sei Dank!". Wenn eine Gemeinde aus dem Stand eine Größe und Struktur wie unsere Freikirche erreicht, dann hat das nur den einen Grund: dass Gott seine Hand darüber gehalten hat. Das wollen wir feiern. Wir freuen uns, dass auch der Bürgermeister Mag. Brunsteiner sein Kommen zugesagt hat. Unsere Musikteams sollen zum Einsatz kommen, Leute werden von ihrer Begegnung mit dem „Geburtstagskind" berichten, es wird einen kleinen Beitrag für die Kinder geben: einfach ein toller Jubiläumsgottesdienst.

TIPS: Wie kam es damals zur Gründung der Freikirche?

Es begann damit, dass ein junger Bursche aus Ungenach nach Kanada ausgewandert ist: der Ebner Franz. Er ist dort gleich am Anfang Leuten begegnet, die den Glauben völlig anders gelebt haben, als er es bisher kannte. Er hatte schon immer an Gott geglaubt. Dass es ihn gibt halt. Aber Gott war irgendwie nicht so real für ihn. Das „Vaterunser" war eher Floskel, er hat sich nicht viel dabei gedacht. Deshalb war er überrascht, dass seine neuen Bekannten eine ganz andere Beziehung zu Gott hatten, und ihn wirklich als Vater gesehen haben, der sie kennt und lieb hat. Herr Ebner war davon so beeindruckt, dass er in seiner alten Heimat darüber reden wollte. 1985 hat er mit zwei anderen Familien begonnen, Gottesdienste zu feiern. Zunächst in einem Wohnzimmer in der Dürnau. Dann im Festsaal vom Schloss Wagrain. Und seit auch das zu klein geworden ist im Festsaal der Arbeiterkammer.

TIPS: ist das also eine neue Bewegung, die von Amerika ausgeht?

Beides ist unrichtig: sie ist so alt wie die Reformation, und sie ging von Europa aus. Nicht nur das: auch Vöcklabruck hat dabei eine Rolle gespielt! In der Ausarbeitung von DDr. Franz Satzinger über die Stadtgeschichte von Vöcklabruck wird davon berichtet, dass dem frommen Schneiderehepaar Schiemer im Jahr 1501 ein Sohn namens Leonhard geboren wurde. Der kam durch das Lesen der Bibel zu der Überzeugung, dass Taufe nur dann Sinn macht, wenn der Täufling versteht, was eigentlich damit ausgedrückt werden soll. Innerhalb von 6 Monaten hat er in 28 Städten darüber gepredigt. Mehr als 200 Personen haben daraufhin durch die Taufe öffentlich bezeugt, dass sie an Jesus glauben. Das hat auch in der damaligen Zeit nicht jedem gefallen: mit nur 27 Jahren wurde er zum Tode verurteilt, gefoltert und enthauptet. Laut Dr. Satzinger ist Leonard Schiemer der einzige Märtyrer, den unsere Stadt bisher hervorgebracht hat.

TIPS: Was genau ist eigentlich eine Freikirche?

Diese Frage wird sehr oft gestellt. Warum gibt es diese Unterschiede, katholisch, evangelisch, und jetzt auch noch Freikirche? Ich selbst bin in der evangelischen Kirche aufgewachsen, und bin sehr dankbar dafür. Was ich aber schon als Jugendlicher instinktiv abgelehnt habe, war genau der Punkt „Taufe", bzw. was dadurch ausgedrückt wurde: Eltern, die nicht viel mit Gott und Kirche am Hut hatten, haben ihre Kinder zur Taufe gebracht. Und versprochen, sie im christlichen Glauben zu erziehen. Und der Pfarrer hat getan, als seien sie eh alle gute Christen, als sei eh alles in Ordnung. Das empfand ich einfach als Heuchelei. Bestärkt hat mich da ein Bibelvers aus dem Johannesevangelium. Dort steht: „Er [Jesus] kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben" (Johannesevangelium. Kapitel 1, Verse 11+12). Das heißt, wenn man es genau liest: zu Gott darf eigentlich nur der „Vater" sagen, der Jesus bewusst in sein Leben aufgenommen hat. Genau darauf legt eine Freikirche wert: nur wer ausdrücklich sagt, dass er an Jesus Christus glaubt, und sich als Zeichen dafür taufen lässt, der kann Glied einer Freikirche sein.

TIPS: Danke für das Gespräch, wir wünschen alles Gute zum Jubiläum.

Interviewpartner war Werner Ludwig, Mitglied der Gemeindeleitung.

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