Ich weiß, „Gemeindegeschichte“ hört sich zunächst mal etwas fad an.

Aber als sich Pfarrer Karl Eichmeyer (Evangelischer Stadtpfarrer in Vöcklabruck von 1928-1968) mit der Geschichte der Stadt befasst hat und dabei auf Leonhard Schiemer gestoßen ist, war er von dessen Leben und Glauben so beindruckt, dass er schrieb:

 „Sein Name soll in unserer Stadt und unserer Gemeinde unvergessen bleiben.“

(„Das Evangelium in Vöcklabruck – 100 Jahre Evangelische Kirche“, S. 32)

Diese Seiten sollen dieses Anliegen unterstützen. Und auch dazu beitragen, dass ein paar andere wichtige Fakten der Geschichte Österreichs, Oberösterreichs und nicht zuletzt unserer Stadt Vöcklabruck während der Reformationszeit in Erinnerung bleiben.

 

Noch ein Wort zu meinen Quellen:

Woher stammen diese Fakten, Zahlen und Daten?

Ich werde einige Fakten nennen, bei denen Sie vielleicht sagen: stimmt das wirklich? Vieles kann heute jeder selbst mit ein paar Klicks im Internet nachprüfen. Aber nicht alles:

  • das im Jahr 1975 herausgegeben Buch von Pfarrer Eichmeyer „DAS EVANGELIUM IN VÖCKLABRUCK – 100 JAHRE EVANGELISCHE KIRCHE“, gibt es meines Wissens nicht im weltweiten Netz.
  • Ebenfalls lesenswert, weil es sich direkt um unsere Stadt handelt, ist die von         DDr. Franz Satzinger im November 2006 erschienene Ausarbeitung:„Vöcklabruck – Stadtgeschichte“, hier besonders das Kapitel 6, ab Seite 265: DIE STADT UND PFARRE VÖCKLABRUCK BIS ZUM ENDE DES DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGES         

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  • Auch das Thema „REFORMATION UND GEGENREFORMATION“ auf der Website des Verbundes oberösterreichischer Museen, April 2014, enthält viele interessante Hintergrundinfos:

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  • Als letztes, stellvertretend für ganz viele ungenannte Quellen, möchte ich ein 1889 erschienenes Buch von Joseph Jäkel „ZUR GESCHICHTE DER WIEDERTÄUFER IN OBERÖSTERREICH“ nennen, das ich öfter zitieren werde. Download auf der Seite des Landesmuseums:

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Zur Orthographie

Was ich vielleicht auch noch sagen sollte: manche Schreibweise kommt Ihnen vermutlich trotz Rechtschreibreform etwas fremd vor. Zum Beispiel:        „Verächter der Heiligen, Läugner ihrer Fürbitten, Verdienste und Wunder, solle Gefängnißstrafe, oder Landesverweisung treffen.“

Das liegt nicht daran, dass ich etwa kleine Schwächen in der Orthographie hätte. Sondern daran, dass ich oft Quellentexte einfach vom Original vom 16. oder auch 19. Jahrhundert übernommen habe....

 

Kurzübersicht und Links zu den Themen

Für alle, die wenig Zeit haben, aber doch gerne wissen wollen, was sich hinter den einzelnen Überschriften verbirgt.

Die Menschen, nicht nur in Vöcklabruck, sondern in ganz Europa, haben sich zu der Zeit intensiv die Frage gestellt, was mit ihrer Seele nach ihrem Tod passiert. Bzw. was sie dazu tun können, um in den Himmel zu kommen.

Die Reformatoren haben ab dem Jahr 1517 „neu“ entdeckt, was eigentlich schon lange bekannt war: in der Heiligen Schrift hat Gott selbst aufschreiben lassen, was Menschen über das Leben und den Tod wissen müssen. Das wichtigste: allein der Glaube an Jesus Christus rettet!

Während die lutherische und die reformierte Kirche das Gemeindeverständnis des Mittelalters beibehielt, wollten einige Männer auch in diesem Punkten ganz zurück zu den Aussagen der Heiligen Schrift: „Bekenntnistaufen“ statt Kindertaufen.

Unglaublich schnell, spätestens 1520, erreichte die reformatorische Lehre unsere Stadt. Und wurde vom Volk begeistert aufgenommen („Kein einziges Haus verblieb beim römischen Glauben“). Nicht aber von der Kirchen- und Staatsleitung: es kam zu massiven Verfolgung, die bei Evangelischen und Freikirchlern unterschiedlich verlief, weshalb sie separat dargestellt wird:

Hier hab ich eine Zusammenstellung erstellt, wie Evangelische auf den zunehmenden Druck während der Rekatholisierung reagiert haben, und warum es heute wieder eine, wenn auch vergleichsweise kleine, Evangelische Kirche in Österreich gibt.

Die „Täufer“ waren im ganzen Land, besonders aber in Oberösterreich, sehr verbreitet. Sicher überliefert ist, dass es 1528 eine erste „Vöcklabrucker Freikirche“ gab. In diesem Artikel wird einiges über das Leben dieser Gläubigen angeführt. Außerdem wird Leonhard Schiemer vorgestellt, ein in Vöcklabruck geborener Leiter der Täuferbewegung, dessen Bedeutung erst in den letzten Jahrzehnten so richtig deutlich geworden ist.

Weil es bei Freikirchen keine überörtliche Kirchenleitung gibt, sondern die örtlichen Ältesten dafür verantwortlich sind, die Lehre der Bibel zu praktizieren, war es nicht so einfach, in der ersten Zeit Irrwege zu meiden. Neben der zentralen Bedeutung der Heiligen Schrift und der Rettung allein durch den Glauben wurden folgende Punkte wichtig: Bekenntnistaufe; Kirchenzucht; Abendmahl in biblischer Bedeutung; Absonderung von Sünde, was auch Gewaltlosigkeit beinhaltete; und Verbot von Schwören.

Hier werden die einzelnen Stationen der Vertreibung aufgezählt: Mähren, Osteuropa, Amerika…

Später als die Evangelischen, nämlich erst 1847, gab es in Österreich wieder freikirchliche Gemeinden. In Vöcklabruck gar seit 1985.

 

Soweit die Kurzübersicht. Ich habe versucht, den Inhalt der folgenden Buttons in aller Kürze zusammenzufassen. Empfehle aber doch, die Buttons selbst anzuklicken und die ausführliche Version zu lesen. Weil da einfach spannende Fakten über den Glauben der Freikirchler und über eine prägende Zeit unserer Stadtgeschichte und nicht zuletzt über das Leben eines in jener Zeit sehr bekannten Vöcklabrucker Bürgers zu erfahren sind…

Viele neue und interessante Einsichten durch das Eintauchen in die Zeit unserer Urururur… großeltern wünscht Ihnen

 

Werner Ludwig (Mitglied der Gemeindeleitung der Vöcklabrucker Freikirche)

 

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Und das lesen Sie im nächsten Button:

Vöcklabruck vor der Reformation

  • Die Fragen der Menschen: „Was passiert nach meinem Tod?“
  • Die Antwort der Kirche: „Tu was für deine Seele!“

  Hier werden Sie unter anderem erfahren…:

  •  … wen die Vöcklabrucker Bürger erschlugen, weil er eine Weinsteuer einführen wollte
  •  … warum eigentlich „für immerwährende Zeiten“ am 7. Mai für ein Bäckerehepaar in Vöcklabruck zwei                              Messen gesungen werden müssten (vielleicht wird das ja tatsächlich heute noch gemacht)