• Allein die Heilige Schrift
  • Bibel contra römische Lehre
  • Allein Jesus Christus ist der Weg zu Gott
  • Luther wurde für vogelfrei erklärt: konnte straffrei getötet werden
  • Bibeln und Gottesdienste in deutscher Sprache

 

Wir haben gesehen, dass die römische Kirche Sündenvergebung „verkaufte“. Sogar für Sünden, die noch gar nicht begangen wurden, konnte man Ablass erwerben, um dann unbesorgt zu sündigen.

Dagegen wendet sich nun ein frommer Augustinermönch, Dr. Martin Luther, Professor in Wittenberg. Er schlägt 1517 eine Auflistung von „95 Thesen“ an seine Kirchentür, in der die Praxis des „Ablasses“ für Sünden abgelehnt wurde.

Als Beispiel die 36. These: „Jeder wahrhaft reumütige Christ erlangt vollkommenen Erlass von Strafe und Schuld; der ihm auch ohne Ablassbriefe zukommt.“

Was relativ harmlos begann, mit einer Kritik an der Ablass-Praxis, hat sich schnell zu einer Grundsatzdiskussion ausgeweitet: Wer entscheidet darüber, war richtig ist und was nicht?

                                         

Martin Luther. Porträt von 1529, Lucas Cranach der Ältere

Link: http://commons.wikimedia.org/

Allein die Heilige Schrift

Dieser unbedeutende Augustinermönch stellte sich gegen den mächtigen Papst und die offizielle Kirche, weil er von folgender Aussage überzeugt war, die zu einem der vier theologischen Grundsätze der Reformation wurde:

Sola scriptura: „allein die (Heilige) Schrift"

ist die Grundlage des christlichen Glaubens.

Das bedeutete: selbst wenn der Papst oder Beschlüsse von Konzilen anders lehren als die Heilige Schrift, dann ist maßgeblich, was die Schrift sagt.

 

Bibel contra römische Lehre

Einmal angefangen, wurde das konsequent umgesetzt: alle Lehren und Praktiken der Kirche kamen auf den Prüfstand der Bibel. Alles, was sich an Traditionen eingeschlichen hatte, wurde hinterfragt.

Was folgende Ergebnisse brachte:

  • Heilige: die Bibel sagt nicht, dass man zu ihnen um Hilfe beten soll bzw. dass ihre „überzähligen Werke“ den Lebenden nützen
  • Fegefeuer: kein Wort davon in der Bibel
  • Maria: eine von Gott besonders auserwählte Frau. Aber keine „Mittlerin der Gnade“, die man anrufen soll
  • Eucharistie: die „Wandlung“ in das Fleisch und Blut Christi wurde als „Zauberei“ gesehen, eigentlich geht es um eine symbolische Handlung „zum Gedächtnis“. Außerdem setzt Christus das Abendmahl mit Brot und Wein („beiderlei Gestalt“) ein, nicht nur Brot
  • Gebete und Messen für Tote: hat keinen Einfluss auf die Zeit nach dem Leben
  • Beichte: Sünde ist Gott zu bekennen, nicht dem Priester. Gott vergibt, nicht der Priester
  • Und schließlich der Papst: er wurde geradezu als „Gegen-Christus“, als Anti-Christ, gesehen, der die Tat von Jesus Christus durch seine Ablasslehre, durch die Werke der Heiligen, durch die Stellung von Maria usw. verdunkelt

Das ist ein weiterer wichtiger Grundsatz der Reformation:

Solus Christus:„allein Christus" ist der Weg zu Gott.

           

Allein Jesus Christus ist der Weg zu Gott

Die Frage, wie ein sündiger Mensch nach seinem Tod vor Gott bestehen kann, wird vonJesus Christus selbst eindeutig beantwortet:

„Niemand kommt zum Vater als allein durch mich!“ (Johannesevangelium, Kapitel 14, Vers 6)

Weder Maria noch Heilige oder der Papst können als Mittler zwischen Gott und Mensch auftreten. Allein Christus ist der Mittler. Sein Tod ermöglicht dem, der ihn in sein Leben aufnimmt, das Recht, Kind Gottes zu werden. (Joh.1,12).

Link: http://defendingcontending.com/

 

Luther wurde für vogelfrei erklärt: konnte straffrei getötet werden

Für Papst Leo X. war Martin Luther ein Ketzer, den er mundtot machen wollte. Er verweigerte sich auch den Reformbestrebungen anderer innerhalb und außerhalb der Kirche, und exkommunizierte Luther (Kirchenbann).

Kaiser und Fürstenverstanden sich als die von Gott eingesetzten Bewahrer der weltlichen Ordnung und Schutzherren der Kirche, und fühlten sich deshalb zuständig für das Seelenheil der Untertanen. Aus diesem Grund sahen sich die in Spanien streng katholisch erzogenen habsburgischen Brüder Karl V. (1500–1558, Kaiser bis 1556) und Erzherzog Ferdinand I. (1503–1564, Kaiser ab 1558) Gott gegenüber verantwortlich für die Bekämpfung der Reformation. Zugleich bedeutete dieser Übergang vieler Untertanen zur Reformation aber auch Ungehorsam gegenüber dem Herrscher, ja Rebellion. Damit ist verständlich, warum sowohl Karl - der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches - als auch Ferdinand - der Erzherzog von Österreich - so viel Energie in die Abwehr der Reformation investierten.

Wer also eine andere als die „offizielle“ Kirchenlehre vertrat, der wurde, falls er nicht zurückzog:

  • zunächst als „Ketzer“ vom Papst exkommuniziert,
  • und dann vom Kaiser unter die „Reichsacht“ getan, d.h. er war vogelfrei: wer wollte, konnte ihn den Gerichten übergeben oder sogar selbst ungestraft töten.

Genau das war das Vorgehen bei Martin Luther: er war bereits vom Papst exkommuniziert worden. Da für die Reichsacht eine Anhörung nötig war, wurde er auf den Reichstag zu Worms im Jahr 1521 eingeladen. Ihm wurde die Reichsacht angedroht, wenn er nicht widerruft.

Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies seinen Tod bedeuten könnte, lehnte Martin Luthermit folgender Begründung ab:

„[Da] … mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, ich kann und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“

Woraufhin ihn Kaiser Karl V. mit der Reichsacht belegt: er sollte inhaftiert werden, die Lektüre und Verbreitung seiner Schriften wurde verboten.

Sein Kurfürst Friedrich der Weise befahl seine Entführung und ließ ihn auf der Wartburg verstecken, was ihm vermutlich das Leben rettete.

 

Bibeln und Gottesdienste in deutscher Sprache

Nun war ausgerechnet in jener Zeit die Buchdruckerkunst erfunden worden: die Gedanken und Lehren Martin Luthers verbreiteten sich wie ein Lauffeuer in ganz Europa. Selbst der „Mann von der Straße“, der vorher keine Bibel lesen konnte, weil es sie nur in der lateinischen Übersetzung gab, konnte ab 1522 Luthers Übersetzung des Neuen Testaments in deutscher Sprache erwerben. Auch dass Luther dafür eintrat, die Gottesdienste in deutscher Sprache abzuhalten und nicht wie bisher auf Latein, trug dazu bei, dass viele Menschen zum ersten Mal in der Lage waren, die biblischen Lehren mit der kirchlichen Praxis zu vergleichen.

 

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Und das lesen Sie im nächsten Button:

Die dritte Ausprägung der Reformation: die „Täufer“

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Hier werden Sie unter anderem erfahren…:

  • …warum es eine Evangelische Kirche (AB) und (HB) gibt
  • …was für Folgen es für junge Eltern in Zürich hatte, wenn sie ihre Kinder nicht taufen ließen
  • …warum Martin Luther es nicht für möglich hielt, eine „rechte christliche Kirche aufzurichten“