• Wien: seit 1847
  • Vöcklabruck: seit 1985
  • Das Ziel der Vöcklabrucker Freikirche

 

Es gibt keine direkten Bezüge zwischen den Hutterern der Reformationszeit und den heutigen Freikirchen in Österreich. Aber es liegt derselbe Gedanke zugrunde: eine Restitution, eine Wiederherstellung der Gemeindeprinzipien, wie sie im Neuen Testament zu finden sind.

 

Wien: seit 1847

Die erste Rückkehr der freikirchlichen Lehre datiert meines Wissens aus dem Jahr 1847, als ein Wiener Ehepaar in seinem Haus Gottesdienste startete. Daraus bildete sich die erste Baptistengemeinde in Österreich. Wieder zunächst unter Verfolgung (Wikipedia April 2014):

„Für die Wiener Baptistengemeinde, die sich zu dieser Zeit noch nicht konstituiert hatte, begann eine lange Zeit der Unterdrückung und Verfolgung, an der katholische Kirche und Staat Hand in Hand beteiligt waren. Während eines Gottesdienstes führte die Polizei eine Hausdurchsuchung durch, beschlagnahmte Bibeln und Bücher und verhängte über die Anwesenden Arreststrafen. Bibeln und Schriften wurden vernichtet. In der Folgezeit war es bei Strafe verboten, öffentliche Versammlungen abzuhalten sowie das Abendmahl und die Taufe zu feiern. Kinder baptistischer Eltern wurden zwangsweise getauft.“

Das Recht auf freie Religionsausübung wurde erst vor gut 100 Jahren (1919) in Artikel 63 des Vertrages von Saint-German festgeschrieben:

... Alle Einwohner Österreichs haben das Recht, öffentlich oder privat jede Art Glauben, Religion oder Bekenntnis frei zu üben, sofern deren Übung nicht mit der öffentlichen Ordnung oder mit den guten Sitten unvereinbar ist.

Seit 2013 gibt es eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft mit dem Namen „Freikirchen in Österreich“ in der sich zum Zeitpunkt der Anerkennung fünf Gemeindebünde mit 166 einzelnen Gemeinden zusammenschlossen. Die Zahl der Anhänger (Mitglieder, Kinder und regelmäßige Besucher) wurde mit ca. 20.000 geschätzt.

„Die hier vereinigten Freikirchen stellen aber nicht die Gesamtheit der österreichischen Freikirchen dar. Daneben gibt es „weitere freikirchliche Gemeinden, denen sich die Freikirchen in Österreich verbunden fühlen.“ Die Gesamtzahl der freikirchlichen Christen in Österreich könnte etwa 50.000 betragen.“ (Quelle: wikipedia 4/2014)

 

Vöcklabruck: seit 1985

Es gibt natürlich keine direkte Verbindung zwischen der ersten Gemeinde in Jerusalem und der jetzigen Vöcklabrucker Freikirche. Nicht mal zwischen der Vöcklabrucker „Gemain“ zu Reformationszeiten und uns. Aber es gibt eine Verbindung dadurch, dass alle drei Gemeinden bestrebt waren bzw. sind, genau so zu leben, wie Gott es durch die Schreiber der Bibel vermittelt hat.

Eine große Rolle bei der Gründung der „Vöcklabrucker Freikirche“ spielt ein junger Bursche aus Ungenach, der nach dem zweiten Weltkrieg nach Kanada ausgewandert ist: der Ebner Franz. Er ist dort gleich am Anfang Christen begegnet, die den Glauben völlig anders gelebt haben, als er es bisher kannte. Er hatte schon immer an Gott „geglaubt“. Dass es ihn gibt. Aber Gott war irgendwie nicht so real für ihn. Das „Vaterunser" war eher Floskel, er hat sich nicht viel dabei gedacht. Deshalb war er überrascht, dass seine neuen Bekannten Gott wirklich als „Vater“ gesehen haben, der sie kennt und lieb hat. Der seinen eigenen Sohn geopfert hat, aus Liebe.

Franz Ebner war davon so beeindruckt, dass er in seiner alten Heimat dieses Evangelium der Rettung durch die Gnade Gottes bekannt machen wollte. 1985 hat er mit zwei anderen Familien aus Kanada (Fam. Poffenroth) und USA (Fam. Bryan) begonnen, Gottesdienste zu feiern.

  • Zunächst in einem Wohnzimmer in der Dürnau.
  • Dann, als mehr Menschen dazu kamen, im Festsaal vom Schloss Wagrain.
  • Danach im Festsaal der Arbeiterkammer.
  • Seit dem Bau der neuen Musikschule im dortigen Saal.
  • Am 18. September 2016 Festgottesdienst anläßlich der Fertigstellung des eigenen Gemeindehauses, Dr.-Alois-Scherer-Straße 21 (Ecke B 1).

 

Das Ziel der Vöcklabrucker Freikirche

Das Ziel der Vöcklabrucker Freikirche könnte man etwa so zusammenfassen:

„So glauben und so leben, wie es der himmlische Vater in seinem Wort anordnet“.

Jesus Christus wurde mal gefragt, was das wichtigste Gebot im Gesetz sei. Die Antwort:

  • „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.
  • Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.“ (Matthäusevangelium, Kapitel 22, Verse 37-40)

Wir wollen Gott lieben. Indem wir auf sein Reden hören, im persönlichen Bibellesen, in Hausbibelkreisen, in Schulungen über die Bibel. Wir wollen den Nächsten lieben, innerhalb und außerhalb unserer Gemeinde.

Freuen würden wir uns, wenn mal jemand über uns dasselbe schreibt wie Pfarrer Eichmeyer über die Freikirche des Jahres 1528:

„Ihr Fleiß, ihre Tüchtigkeit und vollkommene Redlichkeit erwirbt ihnen hohes Ansehen im Volke.“

Und noch mehr freuen würde uns eine Beurteilung, die der von Leonhard Schiemer nahekommt (auch von Pfarrer Eichmeyer):

"Lienhard Schiemer (…)  war eine einzige Flamme, die sich zur Ehre Gottes, in der Sehnsucht nach der wahren Kirche und nach dem kommenden Gottesreich verzehrte. Wir neigen uns in Ehrfurcht vor diesem jungen Märtyrer. Sein Name soll in unserer Stadt und unserer Gemeinde unvergessen bleiben."