• Die Fragen der Menschen: „Was passiert nach meinem Tod?“
  • Die Antwort der Kirche: „Tu was für deine Seele!“

Wieder zurück zum Ausgangsthema: Freikirche in Vöcklabruck.

Warum gibt es nicht nur die „eine“ Kirche, wie sie im Neuen Testament beschrieben wird?

 

Die Fragen der Menschen: „Was passiert nach meinem Tod?“

Unbestritten, auch von katholischer Seite, ist folgende Tatsache: die Kirche des

16. Jahrhunderts hatte sich entfernt von zentralen Lehren der ursprünglichen Kirche.

Wir werden gleich sehen, wie weit.

Im 15. und 16. Jahrhundert ist in unserem Land ganz stark die Frage aufgekommen:

„Was passiert nach dem Tod? Wird Gott mir gnädig sein?“

Es kommt uns fremd vor, dass Menschen diese Sorge haben. Aber sie wurde damals ausgelöst dadurch, dass der Tod allgegenwärtig war:

  • Seit 1473 bedrängten die Türken den Osten des Reiches, was Geld und das Leben von Soldaten kostete
  • Außerdem wird das Land von Krankheiten heimgesucht: Pest, Aussatz und seit 1495 der „Französischen Krankheit“ (Umschreibung für Syphilis)
  • Und: den Bauern ging es schlecht: sie waren wegen willkürlicher Steuern und Zöllen der Dienstherren nahe am Verhungern.

Das alles hat zu innerer Verunsicherung und zu äußerem Chaos geführt. Die einzelnen Stände sind gegeneinander aufgetreten: Ritter und Bürger gegen die Bauern, diese gegen die Verwaltung usw.  Zitat: „Es war keine Ordnung mehr“ (Karl Eichmayer).

Bsp. aus Vöcklabruck: Die Weinsteuer, die Graf Albrecht von Wagrain erhebt, verbittert die Bürgerschaft so dass sie die Sturmglocke läutet, nach Wagrain stürmt und den Grafen erschlägt….

(aus „Das Evangelium in Vöcklabruck“, Karl Eichmeyer, S.28)

Die Menschen waren ständig mit dem Tod von Angehörigen und Bekannten konfrontiert. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag um die 40 Jahre.

So kam es zu diesen Fragen:  „Was kommt danach? Was kann ich tun, damit Gott mich annimmt? Was kann ich für meine Angehörigen tun?“

 

Die Antwort der Kirche: „Tu was für deine Seele!“

Die Lehre der Kirche damals, etwas überspitzt formuliert: „Dich erwartet das Fegefeuer. Aber: du kannst dich freikaufen.“

Etwas weniger drastisch ausgedrückt auf der Website des „Verbundes der oberösterreichischen Museen“:

„Das alles organisierende Zentrum des spätmittelalterlichen Stiftungswesens bildete die Eucharistie, verstanden als ein Opfer, das der geweihte Priester stellvertretend Gott darbringt. Der Fromme stiftete nun die Mittel, damit jährlich, wöchentlich oder gar täglich eine Messe „gelesen“ wurde, mit der dann ihm selbst oder den von ihm Bestimmten Gottes Gnade erworben wurde.“

Wie das in Vöcklabruck empfunden wurde, beschreibt Pfarrer Eichmeyer so (S.40):

Die Angst vor dem Fegefeuer lag als schwere Last auf dem Volk und wurde in klingende Münze verwandelt. Als sicherer Schutz wurde das „Große Seelgerät“ empfohlen, ein 30-tägiges System von Gebeten, Messen und Grabumgängen, das ein Vermögen kostete und manchen um Haus und Hof brachte. In einer Beschwerde der Stände vom Jahr 1524 wird geklagt über das Drängen der Priester auf Seelgerät und Verweigerung der geweihten Erde, falls es nicht bestellt wird.“

Bsp. aus Vöcklabruck:Am 7.Mai 1390 stiftete Paul der Chrewspeckh (Bäckermeister) und seine Frau Agnes ein Haus am oberen Stadttor und einige Äcker der Kirche. Dafür müssen jährlich am 7.Mai zwei gesungene und sechs gesprochene Messen für das Seelenheil der Verstorbenen gefeiert und jeden Samstag eine Gedächtnismesse für immerwährende Zeiten gehalten werden.

(aus „Das Evangelium in Vöcklabruck“, Karl Eichmeyer, S.22)

Wir sehen: die Leute haben zwar getan, was die Kirche ihnen gesagt hat. Aber die Kirche steckte in Glaubwürdigkeitsproblemen. Nicht nur wegen dem Druck in Zusammenhang mit dem Seelenheil. Sondern noch aus anderen Gründen:

  • Das Papsttum war auf einem Tiefstand, nachdem sich im 14. Und 15. Jahrhundert  mehrere Päpste und Gegenpäpste in Rom und Avignon gegenseitig verbannt hatten
  • Manchen Pfarrern ging es mehr um Geld als um Geistlichkeit. Die Pfarrpfründe waren sehr attraktiv: der Pfarrer von Schöndorf z.B. war einer der größten Grundbesitzer des Landes und hatte damit ein gutes Einkommen. Um Inhaber so einer Pfarrpfründe zu werden, musste man aber kein Theologe oder geweihter Priester sein. Sondern man musste über entsprechende Beziehungen verfügen….  Die Pfarrer mussten dafür nicht mal im Gemeindegebiet wohnen.

Bsp. aus Vöcklabruck:Im 15. Jahrhundert hatte Vöcklabruck fünf Pfarrer, die als Domherren in Passau die Erträge aus der Pfarre aufbrauchten, und vier weitere, die als Hofkaplane in Wien lebten. Gottesdienste und Amtshandlungen wurden von Vikaren verrichtet, die meist recht kümmerlich von den Gebühren für Amtshandlungen lebten…

Es wird berichtet, dass die Gebühren für „Amtshandlungen“ wie Taufen und Beerdigungen willkürlich erhöht wurden, was zu einer weiteren finanziellen Belastung der einfachen Bevölkerung geführt hat.

In Deutschland wurde die finanzielle Seite noch stärker betont:

Für den Bau des Petersdoms in Rom hat der Papst die nötigen Finanzen dadurch versucht aufzubringen, dass er sog. „Ablass-Briefe“ verkaufen ließ: je nach Höhe des bezahlten Betrages wurde die Zeit im Fegefeuer um Jahre verkürzt oder auch für immer erlassen.

Der berühmt gewordene Verkaufsslogan lautete: „Wenn das Geld im Kasten klinkt, die Seele aus dem Fegfeuer springt.“

Dieses Thema Ablass war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Das hat die geistliche Landschaft auf der ganzen Welt so verändert wie nichts davor und danach.

 

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