Warum waren Evangelische aus Vöcklabruck im 16. Jahrhundert bereit, in die Verbannung nach Siebenbürgen zu gehen, selbst wenn sie dabei ihre Kinder zurücklassen mussten?

Was hat Glieder der Freikirchen veranlasst, Folter und Verbrennung auf sich zu nehmen, ohne ihren Glauben an Jesus Christus zu widerrufen?

Das lässt sich nur so erklären, dass die Zeit nach dem Tod für sie höhere Priorität hatte als die Zeit davor. Die Sorge um ihre Seele war ihnen wichtiger als die Sorge um ihren Körper.

Einer der Glaubenspunkte der Christen über Christus ist im Apostolischen Glaubensbekenntnis seit dem 5. Jahrhundert so formuliert:

„Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“

Deshalb ist die Frage berechtigt: wie kann ein Mensch vor diesem Gericht bestehen? Was macht ihn gerecht vor Gott (In der Theologie nennt man das die Frage nach der „Rechtfertigung“)

Erlauben Sie, dass ich ganz direkt Frage: Was würden Sie antworten?

Wenn das mit dem Gericht Gottes stimmt: werden Sie freigesprochen oder verurteilt?

Leider können wir jetzt nicht darüber reden. Wäre interessant.

Bevor ich erläutere, was wir zu diesem Punkt glauben, zuerst die Grundsatzfrage:

Woher wissen wir, was wir glauben sollen?

Und wenn Sie oben die Ausführungen über die Reformation gelesen haben, dann kennen Sie unseren Standpunkt ja schon:

 „Sola scriptura“. Allein die Heilige Schrift ist entscheidend dafür, was wir glauben und wie wir leben.

 

1. Was wir glauben: über die Heilige Schrift

Wir glauben, dass die Bibel Gottes geschriebene Offenbarung an den Menschen ist. Alle 66 Bücher des Alten und Neuen Testaments sind von Gott wörtlich inspiriert und damit in den Ur-Manuskripten völlig fehlerlos.

Wir lehren, dass die Bibel die einzige autoritative Richtschnur für die christliche Lehre, den christlichen Glauben und seine praktische Umsetzung ist und völlig ausreicht, um ein Leben führen zu können, das Gott gefällt.

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet(2.Tim.3,16+17)

 

Jetzt die zweite Frage: woher wissen wir, wie das Gericht Gottes ausgeht?

2. Was wir glauben: wer ist „Gott recht“ (= Rechtfertigung)?

Hier beziehen wir uns auf einen der bekanntesten Verse der Bibel, in dem das Evangelium kurz zusammengefasst ist:

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. (Joh.3,16)

Dieser Vers redet über …

  • … Gott: voller Liebe zu uns. Hat aus Gnade seinen Sohn gesandt
  • … den Sohn Gottes, Jesus Christus: der Glaube an ihn entscheidet!
  • … uns Menschen: Verurteilung (zugrunde gehen) oder Freispruch (ewiges Leben)

Wir glauben aufgrund der Heiligen Schrift, dass Rettung für uns Menschen allein die Gnade Gottes ermöglicht. Das Heil ist ein freies Geschenk Gottes, das er dem verspricht, der sich abwendet von einem Leben ohne Gott und sich allein ihm zuwendet. Und der im Glauben dankbar annimmt, dass Jesus Christus am Kreuz für seine Sünde bezahlt hat. Wer das tut, wird von einem „Geschöpf Gottes“ geistlich neu geboren zu einem „Kind Gottes“.

Woher weiß man nun, ob jemand wirklich Christ geworden ist?

Man sieht es! Christen sind Nachfolger von Jesus Christus. Damit wird sich ihr Verhalten und ihre Einstellungen verändern.

 

Der dritte Punkt heißt deshalb:

3. Was wir glauben: wie lebt ein Christ?

Christ und Gemeinde: Wir glauben gemäß der Heiligen Schrift, dass sich Christen nach ihrer Hinwendung zu Christus taufen lassen und in örtlichen Gemeinden versammeln. Dort lernen sie, was Christus durch die Apostel gelehrt hat, sie dienen einander durch ihre Gaben, sie erinnern sich bei der Mahlfeier daran, dass ihr Herr sie erlöst hat, und sie beten gemeinsam.

Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa 3 000 Seelen hinzugetan.Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten. (Apg.2,41+42)

Bekenntnistaufe an einem See

Christ und Evangelisation/Mission: Wir glauben gemäß der Heiligen Schrift, dass die Gemeinde den Auftrag hat, das Evangelium von Jesus Christus sowohl in ihrer unmittelbaren Umgebung als auch in der ganzen Welt bekannt zu machen und Menschen auf die Notwendigkeit der Rettung ihrer Seelen hinzuweisen.

Christ und Ethik: Wir glauben gemäß der Heiligen Schrift, dass alle Gebote Gottes eine praktische Hilfe darin sind, einmal Gott zu lieben und zum zweiten den Nächsten zu lieben.

Aus diesem Grund sind wir bestrebt, alles zu befolgen, was Gottes Wort sagt zum Beispiel zu Ehe und Scheidung, zu Familie und Erziehung, zu Arbeitsethik, zum Verhalten gegenüber Vorgesetzten, zum Umgang mit Sünde und Sündern, zu Sexualität und Homosexualität, zur Einstellung gegenüber Asylanten („Fremdlingen“), zum Umgang mit Geld und Besitz und vielem anderen mehr.

Wenn jemand sagt: »Ich liebe Gott«, und hasst doch seinen Bruder, so ist er ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann der Gott lieben, den er nicht sieht? Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder lieben soll. (1.Joh.4,20+21)

Was wir glauben – im Vergleich zur Vöcklabrucker Freikirche im 16. Jahrhundert:

Unter "Gemeindegeschichte" ist einiges angeführt, was den Gläubigen im 16. Jahrhundert wichtig war, und was wir heute nicht in jedem Fall so sehen wie sie: Gütergemeinschaft ist zumindest bisher kein Thema :), auch die Frage nach Wehrdienst und Schwur würden wir u.U. anders beantworten.

Aber: wie jene Christen sind wir mit ganzem Herzen bestrebt, Gott zu lieben, ihm zu dienen, ihn zu ehren. Wie bei ihnen ist uns Richtschnur und Wegweisung das, was Gott uns selbst sagt in der Heiligen Schrift. Ob wir wie sie bereit wären, uns für den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus ertränken und verbrennen zu lassen, können wir nur hoffen, aber nicht versprechen... Jedenfalls gehört unser Leben dem, der gesagt hat:

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh.14,6)

Wem das jetzt zu wenig an Information war: natürlich haben wir ein ganz ausführliches Glaubensbekenntnis, in dem alle Aussagen mit entsprechenden Bibelstellen begründet sind, damit man leichter nachvollziehen kann, warum wir glauben, was wir glauben…